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Impressionen aus Mali

Von H. Querfurt
12.03.09

„Na, wie war´s in Afrika?“
So höre ich es von überall seit ich wieder zurück bin aus Mali.
Wollen sie wirklich etwas hören? Glauben sie wirklich, dass man mit wenigen Worten all das
zusammenfassen kann, das uns in den 2 zurückliegenden Wochen bewegt hat? Und kann ich
wirklich diese Empfindungen, die wir in Mali hatten in ganz bestimmten Situationen hier so
rüberbringen, dass ein Mitteleuropäer sie nachvollziehen kann ? Also sag ich: „Das kann man
mit wenigen Worten nicht ausdrücken.“ Und oft unterbleibt jede weitere Nachfrage.
Aber wie war es denn nun in Mali?
Welche Bilder kommen hoch, wenn ich daran zurückdenke?
Da ist zuerst der Leiter der Alphabetisierungsklassen in Sikoulou – eine unserer
Partnerschulen. Er unterrichtet abends von 8 bis Uhr an 6 Tagen die Woche abwechselnd
Männer und Frauen, um ihnen Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen insgesamt 26
Personen. Er selbst betreibt eine kleine Landwirtschaft, von der er mehr schlecht als recht
leben kann. Geld bekommt er für seinen Unterricht nicht. Seit 3 Monaten war der Unterricht
ausgefallen, da kein Geld mehr da war, um Licht zu machen. Ein Leuchten geht über sein
Gesicht, als wir ihm eine Autobatterie übergeben und für 1 Jahr das Geld, um sie monatlich
aufladen zu lassen. Der Unterricht ist gesichert. Die Augen bleiben in meinem Gedächtnis.
Oder die Lehrerin des ersten Schuljahrs in Sikoulou, die 72 Kinder unterrichtet und unter
diesen Bedingungen nur Frontalunterricht geben kann. Sie ist verheiratet hat 2 Kinder. 72
Kinder, für die die
Eltern erst 8 Euro Aufnahmegebühr und dann 1,50 Euro pro Monat bezahlen müssen als
Schulgeld (und es oft genug nicht können, so dass die Lehrer kein Gehalt bekommen oder nur
mit Verzögerung). Und ich weiß, ohne unsere Hilfe aus den Geldern der
Schulklassenpatenschaften, von denen ihr Gehalt für 1 Jahr finanziert wird, säßen jetzt 130
Kinder im kombinierten 1.u.2. Schuljahr, sie hätte keine Arbeit und die Lernbedingungen der
Kinder wären denkbar schlecht. Es ist ja so schon schwierig genug, wo nur jedes zweite Kind
ein Schulbuch für Französisch hat. Der Rest wird mit Kreide an die Tafel geschrieben.
Und das, was mich dann wirklich bewegt sind die Augen der Kinder, diese großen offenen
Augen, die so wissbegierig gucken, jedes Wort ihrer Lehrerin aufsaugen und die Ohren
spitzen, damit ihnen auch ja nichts entgeht. Diese Kinder begegnen mir so immer wieder –
überall, wo wir eine Schule besuchen.
Dann ist da der Brunnen mitten auf dem Schulhof – ca. 20 Meter tief. Wenn ein Kind Durst
hat, geht es dort hin, zieht sich Wasser hoch und trinkt. Ein offner Brunnen mitten auf dem
Schulhof. „Das ist kein Problem, es ist noch nie was passiert.“ Trauen wir unseren Kindern in
Europa eigentlich genug zu?
Der staubige Sahelwind fegt über den Schulhof, ein paar Ziegen laufen vorbei und wir
verabschieden uns.
„Wir haben die ganze Nacht vor Aufregung nicht geschlafen, weil wir wussten ihr kommt und
dieses Projekt ist für uns so wichtig.“ Wir sitzen mit 10 Frauen der Frauenorganisation des
Dorfes Djigué unter einigen Bäumen vor der Schule und diskutieren ihr Projekt. Sie wollen
den Gartenanbau erweitern, auf einem neuen großen Feld Sesam, Kartoffeln, Tomaten und
Zwiebeln pflanzen. Dazu muss das Feld eingezäunt werden, damit die Ziegen nicht alles
auffressen. Und das Feld braucht Bewässerung. Die Ernte ist teils für den Eigenverbrauch,
teils soll sie auf dem Markt verkauft werden. Wenn alles so läuft wie geplant, würde jede Frau
pro Jahr 200 Euro zum Familieneinkommen beisteuern können und hätte auch eigenes Geld
in der Hand. Sehr ernsthaft diskutieren sie mit uns, nachdem sie am Anfang erst ein wenig aus
der Reserve gelockt werden mussten. Sie haben sehr präzise Vorstellungen, sollen auch
Unterricht im Gebrauch von Dünger erhalten, ein kleines Vorratshaus plus eine Toilette sind
geplant und die Anschaffung von Gartengeräten. Das teuerste ist der Brunnen. Mit einer
einmaligen Anschubfinanzierung von ca. 20 000 Euro wäre dieses Projekt bereits nach 1 Jahr
selbsttragend. Und könnte Jahr für Jahr 100 bis 200 000 Euro zusätzliches Einkommen
bedeuten für alle Frauen zusammen. „Und wie kriegt ihr die Mehrbelastung klar, neben Haus
und Kinder kommt die Feldarbeit ja noch zusätzlich?“
„Wir haben uns das gut überlegt - die Mühle, die im Projekt vorgesehen ist, erlaubt uns,
unsere Hirse dort mahlen zu lassen, was wesentlich schneller geht als sie von Hand zu
stampfen. Dann haben wir mehr Zeit und die können wir auf dem Feld verbringen.“
„Und was ist mit Buchführung und Kasse, das ist ja viel Geld, was da zu verteilen ist?“ – „Die
Buchführung kann ich und die Verteilung regeln wir alle gemeinsam in unserer
Frauenorganisation.“ – „Und was sagen Eure Männer zu dem allen?“ – Diplomatisch kommt
es zurück: „Wir tun nichts, mit dem unsere Männer nicht einverstanden wären.“ Und das
stimmt . Ihnen ist offiziell vom Dorf das Feld als Eigentum zuerkannt worden.
„Wir würden am liebsten morgen anfangen.“
Direkt und öffentlich geht es zu bei der Diskussion des Schulprojekts. Zur Zeit müssen alle
Kinder, und das sind 30 pro Jahrgang, die die Klassen 7-9 besuchen, zum nächsten
Schulzentrum, das 30 km weit weg ist. Die Eltern müssen bezahlen für die Übernachtung der
Kinder, und Frauen aus dem Dorf werden abgestellt, um die SchülerInnen mit Essen zu
versorgen. Eine aufwändige Geschichte. Deswegen soll die Schule im Ort erweitert werden
um die Klassen 7 bis 9. Und die ersten 6 Klassen sollen jede einen eigenen Raum erhalten. Im
Moment drängen sich 380 Kinder in 3 Räumen und werden von drei Lehrern unterrichtet.
Allein das Gerücht, das die Schule erweitert werden soll um die 7.-9. Klasse, hat schon dafür
gesorgt, dass die Schule in letzten Jahr mehr als 100 neue Schüler bekam, vor allen in den
Klassen 5 u. 6.
Das Treffen um 15 Uhr begann mit uns 6 Leuten allein und dann erscheint der Direktor. Wir
wollen aber gern auch den Vorsitzenden des CGS (Commission de gestion scolaire) dabei
haben. Er wird geholt, und wie ein Lauffeuer hat sich das Treffen im Dorf herumgesprochen.
Innerhalb von 30 Minuten kommen um die 70 Männer und einige Frauen, die unseren
Gesprächen zuhören.
„Und wie wollt ihr Euren Eigenanteil von 10% leisten in Arbeit oder Geld?“ frage ich. „In
Arbeit ,“ ist die Antwort, „wir können Sand und Wasser holen und Handlangerdienste leisten,
das haben wir beim Bau der ersten drei Klassenräume auch gemacht.“
Inhaltlich ist schnell alles klar. Ein Papier aus der Kreisstadt fehlt noch. Sie wollen es gleich
am nächsten Tag besorgen, und in der Tat halte ich es noch vor meiner Abreise in den
Händen. Diese Menschen wollen vorankommen und der Eindruck bleibt - mit dem halben
Dorf unter den Bäumen zu sitzen und ernsthaft über ein Projekt zu sprechen, das halte ich für
eine gute Form direkter und öffentlicher Demokratie. Es geht dabei ausgesprochen
diszipliniert zu, die meisten Leute hören nur intensiv zu. So weiß jeder ,was gesagt wurde.
Noch beim Treffen wegen des Schulprojekts hatte ein Bürgermeister des Nachbardorfs
Tiessamana das Wort ergriffen und gesagt , er begrüße das geplante Schulzentrum in Djigué
sehr, hätten doch auch dann die älteren Kinder seines Dorfs einen kürzeren Schulweg. Und
eine Schule hätte er auch, aber da gäbe es gar nichts. Das Dorf läge auf dem Weg zur Strasse
und wir möchten doch mal anhalten, wenn wir abführen. Wir bitten um eine schriftliche
Präzisierung seiner Wünsche. Drei Stunden später - es ist schon dunkel – steht er wieder vor
uns und übergibt uns einen Brief. Er muss die 10 km zu seinem Dorf in der Zeit gelaufen sein,
denn der Brief trägt das offizielle Bürgermeistersiegel.
„Von der Schule aus Tiessamana : Klasse 1,2,3,4,5,6. Hier für Euch unser Bedarf. Zuerst grüßen wir alle Mitglieder der ONG vom 24.1.09 Vom ganzen Dorf, vom Chef des Dorfes, von den Ratsmitgliedern und von allen, allen, allen. Hier unsere Wünsche: 1. Die Schule hat 126 Schüler, davon 76 Jungen 2. Die Schulbänke sind völlig hinüber: Wir bräuchten 40 Schulbänke 3. Bedarf: 3 Pulte für die Lehrer 4. 3 Schränke 5. Die Klassenräume sind völlig hinüber, Bedarf: am besten eine neue Schule bauen in meinem Dorf 6. Helft uns, dass unsere Schule eine öffentliche Schule wird 7. Eine Entbindungsstation 8. Bedarf: ein Brunnen aus Zement Unterschrift: Der Chef des Dorfes Mady Komé Der Direktor der Schule: R. Coulibaly Am nächsten Morgen verlassen wir Djigué. Nach einigen Kilometern stehen vier Reiter und ein Hund am Wegesrand. Sie winken und reiten mit uns. Eine berittene Eskorte! Mal vor, mal hinter uns, mal seitlich und vor allem mit Geschwindigkeit von hinten in den Weg unseres Wagens galoppierend, wirbeln sie mächtig viel Staub auf. Nach einigen Kilometern macht der Hund schlapp und bleibt zurück. Die Reiter sind schneller als wir im Geländewagen. Nach weiteren 5 Kilometern stehen 10 neue Reiter. Die Eskorte schwillt an, bis wir endlich voraus das Dorf Tiessamana sehen. Ein Spalier von Menschen. Rechts stehen all die Schulkinder. Ein Bettuch ist bemalt mit „Bienvenue au Tiessmana“, Die Kinder schwenken Fähnchen - ein Stock mit einem weißen Blatt Papier daran. Die Musik setzt ein – eine Trommelgruppe. Gegenüber stehen viele Bewohner des Dorfs . Wir halten an und sind sofort umringt von einer Traube Menschen. “Bienvenue, bienvenue, bienvenue.“ Hunderte von Händen wollen geschüttelt werden. Der Bürgermeister und der Direktor begrüßen uns. Wir werden zur Schule geleitet, die dem Dorf gegenüber auf freiem Feld liegt. Vor der Schule ein Flaggenmast und unter Absingen der malischen Hymne wird die Flagge gehisst. Alle singen aus voller Brust und ich denke, man müsste es bis Deutschland hören. Als sich der Trubel etwas lichtet, wird der Blick auf die Schule frei. Oder was sie hier so Schule nennen- zuerst dachte ich , es ist die Scheune, aber bei drei Eingängen wird mir klar, dass diese Ruine eines Lehmgebäudes die Schule ist. Vor 12 Jahren gebaut, wirkt sie mehr als baufällig, der Lehm bröckelt ab – überall; das Wellblech des Vordachs ist windschief und die Türen bestehen ebenso wie die Fenster aus Wellblech. Für einen Teil der Fenster hat es nicht mal dafür gelangt, sie sind mit Pappe vernagelt jetzt in der kalten Jahreszeit. Der Boden der Klassenräume besteht aus gestampftem Lehm. Die Dachbalken liegen frei und sind von Termiten zerfressen – es ist nur noch ein Frage der Zeit, bis das erste Dach einstürzt. Entsprechend ist die Ausstattung der Klassenräume: Die Klasse 5/6 hat 10 alte Holzbänke Die Klasse3 /4 - 1 alte Holzbank Die Klasse 1 / 2 sitzt auf dem Boden, bzw. hat einige Sitzbretter auf je zwei Lehmziegeln. Die Tafel wirkt wie ein zu restaurierendes altes Bild, unregelmäßiger Umfang und drum herum bröckelt der Lehm von den Wänden. Aber sie ist beschriftet .Und Reinhild sagt: „Von der Sorte gibt es Hunderte in Mali.“ Ich bin ja schon hart in Nehmen, aber diese Schule hier treibt mir die Tränen in die Augen. Aber es ist wenigstens eine Schule. Und das Wichtigste - es gibt hier Menschen, die die Situation verändern wollen. Wie hatte doch der Bürgermeister in seinem Brief geschrieben: „Die Klassenräume sind völlig hinüber,
Bedarf: am besten eine neue Schule bauen in meinem Dorf.“
Ich kann ihm nur zustimmen.
Tiessamana wird in unser Schulklassenpatenschaftsprogramm aufgenommen.
Bellen liegt weit ab im Landesinneren Richtung Mauretanien, hinter Banamba rechts ab ca
150 km . Die letzten 30 km über offene Piste in der Buschsavanne des Sahel. Eine arme
dörfliche Gemeinde. Das örtliche Gesundheitszentrum - zuständig für 5000 Menschen - hat
ein Blutdruckgerät, einige Medikamente, zwei Stühle, einen Tisch und 1 Entbindungsbett.
Damit versucht ein Pfleger mit einer Hebamme (3-Monatskurs ) und zwei Helfern die
Versorgung im Dorf aufrecht zu halten. Insgesamt gehören zur Gemeinde 19 Dörfer, die bis
zu 50 km entfernt liegen. Das nächste Krankenhaus ist 200 km entfernt in Segou . Sie haben
einen Notfallfunk. Als wir ankommen, erleben wir den Tanz der Jäger als besonderen
Willkommensgruß, das erste und einzige Mal , das wir Männer tanzen sehen. Bei den
üblichen Ansprachen der Autoritäten kommen auch hier die Frauen zu Wort : „Wenn es dem
Gesundheitszentrum gut geht , geht es auch den Frauen gut.“
Ja, hier kommt Medizin zu 80 Prozent Frauen und Kindern zugute.
Das Zentrum wirkt gepflegt, aber es gibt sehr wenig Ausrüstung. Ein zweites Moped für die
Impfkampagnen in den Dörfern finden sie wichtig. Wir spenden eine Untersuchungsliege,
einen Hocker dazu, einen Rollstuhl, einen Rollator, Nahtbesteck, Stethoskope,
Blutdruckgerät, Fieberthermometer und Medikamente gegen Schmerzen und Infektionen.
Warum bleibt Bellen in Erinnerung: Es ist der Wille der Menschen erkennbar, die
Verhältnisse zu ändern, dem Teufelskreis der Armut zu entkommen, es ist diese feste
Entschlossenheit, die spürbar wird. Keine Resignation, keine Selbstaufgabe, auch wenn es
keine Elektrizität gibt, auch wenn es kein sauberes Trinkwasser gibt. Die Brunnen sind
ebenerdig und in der Regenzeit schwemmt alles hinein, dann ist das Dorf auch sowieso von
der Außenwelt abgeschnitten.
Das „Festival sur le niger“ in Segou findet als großes westafrikanisches Kulturfestival
jährlich statt, die Stadt brummt vor Erregung, ein Jahr im Voraus sind die Unterkünfte
ausgebucht. Trommelgruppen ziehen durch die Stadt . Es ist eine erwartungsvolle
Atmosphäre.
Das Bier heißt „Bavaria – Premium from Holland“.
Wir erleben die Eröffnungszeremonie. Die Bühne ist in den Fluss hineingebaut und mit
Laufstegen mit dem Ufer verbunden. Als es dunkel wird, kommen Pirogen den Fluss hinab
mit Fackeln und offenen Feuern und bilden einen Halbkreis um die Bühne.
Der König des malischen Großreichs nimmt Platz und die Völker seines Staates huldigen ihm,
kommen von Land oder auch mit Kähnen vom Fluss her. Und dann – es ist unvermeidbar –
folgt Ansprache um Ansprache. „Sag mal , wo ist hier eigentlich der Knopf zum Vorspulen ?“
fragt Petra neben mir und mir geht es ähnlich. Und dann gab es natürlich auch Musik, die
fesselnde, schwermütige - den Mali-Blues, davon hätten wir gern mehr gehabt. Nach 5
Stunden auf harten Metallstühlen fallen wir müde ins Bett.
Und dann Haby. Das Handy muss eine feste Verbindung zum ihren Ohr eingegangen sein
und dazu muss eine Standleitung zum Zoll installiert sein. Unsere 2 Container sind Ende
Dezember angekommen und Mitte Januar durch den Zoll freigegeben worden
Aber dann kommt die erneute Sperre des Lagers durch den Zoll.
Was ist passiert? Jeder importierte Artikel laut Ladeliste erhält eine Nummer, die die Zöllner
vergeben und beim Einsetzen dieser Nummern muss sich ein Zöllner einen Zahlendreher
erlaubt haben. So wurden aus unseren 10 Fußbällen plötzlich 10 Billardtische und das sind
keine humanitären Güter. Also Versiegelung des Lagers. Und das ist der Moment, wo das
Handy für 4 Tage an Habys Ohr festwächst und der Zollchef sogar bis nach Hause verfolgt
wird. Aber dann hat sie es geschafft, das Lager wird wieder freigegeben und innerhalb von 24
Stunden werden alle Spenden verteilt. Alle Gesundheitsposten, CdR u. Hospitäler kommen
und holen ihre Spenden ab. Abenteuerlich beladen wie zum Beispiel der Kleintransporter
nach Djigué, den wir per Zufall abends durch die Stadt fahren sehen. Es ist ein Auto von der
Größe eines Mercedes Sprinters vollgepackt mit Kisten und Kleidersäcken und auf dem Dach
drei Stapel: Vorne ca. 15 Fahrrädern übereinander, danach zwei Stapel mit je drei
Krankenhausbetten. Ich wundere mich nur, dass er nicht wie ein Kartenhaus unter der Last
sich zusammenfaltet, bzw. dass er nicht bei jeder kleinsten Kurve umkippt. Aber er kommt
an. Die 250 Km bis zum Ziel absolviert er von 16 Uhr bis 2 Uhr nachts, der ist die 30 Km
Sandpiste, die vor Djigué liegen, doch glatt in der Nacht gefahren und bringt alles heil nach
Djigue. Am nächsten Tag um 16 Uhr ist er zurück in Bamako
Wir haben viele protokollarische Empfänge unter großer Anteilnahme der Bevölkerung zu
absolvieren. „Muss dass denn immer sein?“ frage ich Haby nach dem dritten Empfang. Sie
antwortete: „Das ist ja wohl das Mindeste, was sie tun können. Es ist die afrikanische Art
Danke zu sagen, Euch Danke zu sagen, die ihr Euer eigenes Geld nehmt, um hierhin zu
kommen und zu helfen.“
Wélénguena ist so etwas wie die erste Liebe, das Dorf, das ich als Erstes in Mali
kennenlernte, es ist ein Gefühl wie zurück zu sein.
„Ihr seid von zu Hause gekommen und nach Hause gekommen, Bienvenue.“ So werden wir
begrüßt. Was ich sofort bemerke, ist die Veränderung an der Schule. Mit unserer Hilfe war
die Schule ja schon im letzten Jahr mit neuen Schulbänken, Möbeln und Schulbüchern
ausgestattet worden. Jetzt steht zusätzlich das Lehrerzimmer und die Toilettenanlage. Das ist
klar, das haben wir ja im letzten Sommer finanziert. Hier sind unsere Spenden und
Mitgliedsbeiträge also zu Stein geworden. Aber was mir noch auffällt, ist das, was neu ist,
ohne dass wir dafür Geld gegeben haben: Ein neuer großer Flaggenmast steht in der Mitte des
Schulhofs – oben die malische, darunter die deutsche Flagge.
Und überall auf dem Schulhof sind Löcher ausgehoben- der Schulhof soll demnächst mit
Bäumen bepflanzt werden. Und dann - kaum dass ich denke: sieht aber gut aus hier – kommt
die kalte Dusche nach. Angebaut ans Schulgebäude ist ein neuer Klassenraum entstanden –
aus Bastmatten. Auch das Dach ist aus Bast und drinnen stehen die alten Schulbänke, von
denen ich geglaubt hatte, sie seien im letzten Jahr aussortiert worden. Die Schule hat so einen
großen Zuwachs an Schülern, dass die Klassen 5 und 6 in einzelne Klassenräume getrennt
wurden, um die Lernsituation zu verbessern. Und so werden jetzt das 1./2. Schuljahr
„Freiluft“ unterrichtet.
Immerhin hat sich die Zahl der Schüler, die die Abschlussprüfung nach Klasse 6 schaffen um
über 20 % erhöht. Und das ist das Wichtigste, finde ich, denn ohne Bildung keine Zukunft.
In Wélénguena wird uns eine besondere Ehre zu teil .
Wir werden wieder erwartet von Hunderten, die Schulbänke sind seitlich aufs Feld und unter
eine große Anzahl von Mangobäumen geschafft worden und dort im Halbkreis aufgestellt
worden. Der Bürgermeister von N´passo , zu dem neben Wélénguena noch 8 weitere Dörfer
aus dem Großraum Koutialla gehören, begrüßt uns.
Die 200 Meter bis dahin gehen wir durch ein Spalier von Menschen. Die Balaphone werden
getragen und gleichzeitig gespielt, dazu singt der traditionelle Dorfchef auf der Kora – eine
fremde Musik , exotisch, dargeboten aus einer rauen Männerkehle. Dies Musik klingt bis
heute in meinen Ohren nach. Auf halbem Weg stehen zwei Frauen und haben einen großen
mit Muscheln besetzten Stab in den Boden gesteckt. Nach oben hin verbreitert er sich und
zeigt mehrere Tiere, darüber der Halbmond. Beide Stäbe tragen die deutsche, bzw. malische
Flagge. „Das ist das Symbol der Frauen, das sie aufstellen, wenn sie eine Arbeit beginnen“,
raunt mir Haby zu. „Du musst symbolisch die beiden Schüsseln mit Essen, die auf dem Boden
stehen zur Seite stellen und dann durch das Tor gehen. Das ist ein ganz besonderes
Willkommen.“ Auf dem „Festfeld“ dann die üblichen Reden, ohne die hier nichts geht. In
Erinnerung bleiben mir 2 Aussagen. Die erste stammt vom traditionellen Dorfchef: „Ich freue
mich ganz besonders, dass ich es als alter Mann noch erleben darf, dass während meiner Zeit
als Chef das Dorf solche guten Fortschritte macht.“ Und dann die Frauen, sie sagen nur drei
Sätze, der letzte ist: „ und vergesst die Frauen nicht.“
Anschließend besichtigen wir die Schule und treffen auf Daonda Koné, den Gemeindepfleger
des Dorfes. Er berichtet, dass er gerade dabei ist drei Leute auszubilden. Sie sollen lernen,
Blutungen zu stillen, Injektionen zu geben und Schmerzmittel zu verabreichen. Er gibt sein
Wissen weiter. Wir übergeben unsere Geschenke - ein Nahtbesteck, Verbandszeug und
Medikamente. Diese werden demnächst für ein Zehntel des üblichen Preises abgegeben.
„Umsonst geht nicht“, erklärt Seydou, „sonst sind bald alle „krank“ und wollen die
Medikamente haben.“ So ganz bescheiden kommt dann die Bitte - Doanda Koné würde die
Schulkinder immer umsonst behandeln, und es gäbe auch schon ein Grundstück in der Nähe
der Schule und ob es nicht möglich sei , „ein winziges Haus für den kleinen Doktor zu bauen“
. Ja, denke ich, das ist eine gute Idee und für 3-4000 Euro machbar, wenn das Dorf wie jetzt
beim Ausbau der Schule wieder mithilft. Wir lassen es offen, versprechen aber, es
wohlwollend zu prüfen.
„Herbert, komm mal,“ ruft mich Seydou ins Lehrerzimmer. Vor ihm steht ein 13 jähriger
Junge , der sich an einem langen Stock festhält, das rechte Bein in Schonhaltung. „Daonda
Koné hat mir gerade diesen Jungen vorgestellt, weil er nicht weiß, was der hat. Die untere
Brustwirbelsäule ist total verbogen und schmerzhaft, in der Leiste links entleert sich Eiter,
aber der ist kalt. Denkst Du das Gleiche wie ich?“ Ja, ich denke das Gleiche. Wann habe ich
das zum letzten Mal bei uns gesehen? Es ist ewig her, es muss in meiner Facharztausbildung
in den 70ern gewesen sein. Knochen –Tuberkulose mit ihren typischen kalten Abszessen, und
der rechte Unterschenkel ist auch betroffen und eitert unterhalb des Knies.
Da hat sie uns wieder – die fürchterliche Realität. Dabei gibt es heute so gute Medikamente,
dieses Schicksal, das den Jungen jetzt wahrscheinlich zum lebenslangen Krüppel macht, wäre
vermeidbar gewesen. Vielleicht ist es ja auch jetzt nicht ganz zu spät. Tuberkulosemittel gibt
es in Mali kostenlos für die Bevölkerung – eine Spende des „global fund“ zur Bekämpfung
von AIDS, Malaria und Tuberkulose – den drei großen Seuchen Afrikas. Seine traurigen
Augen verfolgen mich – er hätte so gern gelebt wie alle anderen.
Am nächsten Tag treffen wir in kleiner Runde den Dorfchef, den Direktor der Schule und den
Vorsitzenden des Schulkomitees. Wir sprechen darüber, wie der Ausbau der Schule gelaufen
ist, wie es weitergehen kann. „Wir sind an weiteren Fortschritten für unser Dorf sehr
interessiert.“ Und dann schlagen sie zum Schluss vor, der Schule einen neuen Namen zu
geben. Sie wollen sie nach meiner Frau Renate benennen. Dann wäre der offizielle Titel
„Ecole communitaire Renate de Wélénguena“.
Wie hart das Leben für die Menschen ist, sehen wir etwas außerhalb von Koutiala. Dort
steht eine Fabrik, die Baumwolle entkernt. Die Samen werden gepresst, um das Öl zu
gewinnen. Das Abwasser wird in eine Bodensenke nach außerhalb geleitet. In diesem großen
Teich haben einige Frauen aus Bambusstöcken Barrieren gelegt. Sie selbst stehen knietief im
lila Abwasser und halten Bambusstöcke in den Händen, die sie flach aufs Wasser legen, um
damit das oben schwimmende Restöl abzufischen. Am Ufer wird es mit Schöpfkellen in
Töpfe getan. Die werden auf dem Feuer erhitzt, um das Wasser zu verdampfen, das Öl wird
dann in einer Tonne gesammelt und später weiter verarbeitet zu Seife. Für eine Tonne voll
braucht eine Frau 6 Monate und erhält dafür dann 70 Euro .
Asthma ist meine Alltagsrealität in Deutschland und meist bei uns auch gut zu behandeln.
Welches Problem dies in Mali sein kann , erfahre ich am letzten Abend vor dem Rückflug.
Ein Lehrer eines Gymnasiums in Bamako kommt und bittet um meinen Rat. Ja, er hat schon
viele Jahre Asthma, aber jetzt ist es besonders schlimm. Die Familie denkt, er stirbt jede
Nacht, so sehr muss er nach Luft ringen. Was er für Medikamente habe? Ja, Ventolin
(Salbutamol),
und wie oft er es benutze, will ich wissen. Statt einer Antwort druckst er rum. Da greift Haby
ein: „Der kann das nicht bezahlen und deswegen spart er und nimmt nur im äußersten Notfall
mal einen Hub.“ – „Aber, Haby,“ wende ich ein, „ so teuer ist das doch nicht.“ - Aber dann
rechnet sie mir vor: eine Spraydose mit 200 Hub kostet in der Apotheke umgerechnet 5 Euro
und 35 Euro verdient er im Monat, wovon seine Familie leben muss.
So muss er sich entscheiden - entweder Luft für ihn selbst oder Essen für die Familie.
Es gäbe noch viel zu erzählen, der Besuch in Katiena, wo wir ein Ultraschallgerät u.a.
übergeben und dafür einen 2-Minuten –Bericht in der malischen Tagesschau bekommen,
„Es ist toll , dass auch was auf dem Land ankommt, wo sonst solche Spenden doch immer in
Bamako hängen bleiben.“
„Bisher dachten wir immer Hilfe käme von Gott, doch jetzt wissen wir Hilfe kommt von
PACT und APA-Mali.“
Und als ich dann rede in Katiena, werde ich immer wieder unterbrochen von den
Schulkindern, die wie Cheerleader skandieren: „cübahilf, cübahilf.“
Das Treffen in Koutialla mit 10 Bürgermeistern, 10 CSCOMs aus der Umgebung von
Koutialla erhalten aus den Containern viele Spenden. Da die Zahl der Betten nicht ausreicht
für die Bedürfnisse der 10 Zentren haben sie einfach gelost, ich nenne das die „Bettenlotterie
von Koutiala“. Und um die Spenden zu zeigen, demonstriert Seydou vor Hunderten von
Leuten die Qualität des Entbindungsbetts und fährt es rauf und runter - alles elektrisch. „So
ein Bett haben Sie noch nicht einmal in Bamako.“
Tja, es gäbe noch so ieles das uns bewegt,
das tollste aber ist – wir haben Leute getroffen, die sich engagieren für ihr Land, ihre
Gemeinde die den Teufelskreis der Armut durchbrechen wollen
und wir haben viele engagierte Frauen getroffen.
Aber wir leben jetzt mit der Bürde induzierter Hoffnungen,
deswegen brauchen wir viel, viel Unterstützung.

Source: http://www.xedoc.de/afrika/aktuelles/berichte/rb_herbert_Mali2009.pdf

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Reform / Living to be 500, death by asteroid, and the inevitability of NHS reformReform / Living to be 500, death by asteroid, and the inevitability of NHS reformwhile typically the private sector succeeds by showing how well it is doing, the public sector often declaims its own failure in the hope of extracting more government spending. And, partly, it’s because publicly-funded healthcare

Anitibiotikaleitlinien - engl. fassung

Guidelines for the prudent use of veterinary antimicrobial drugs -with notes for guidance- Guidelines on antibiotics Supplement to the German Veterinary Journal 10/2010 Guidelines Antibiotics1 are only to be used for bacterial infections. Any use of antibiotics (e.g. in human and veterinary medicine) can cause the development of antimicrobial resistance. The risk increases if antibiotics ar

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