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Ist cannabis ein wirksames heilmittel

Ist Cannabis ein wirksames Heilmittel?
zunächst einmal danke ich Ihnen für die Gelegenheit, wieder einmal über das Cannabis und die Probleme seines Konsums zu sprechen, diesmal in einem sehr speziellen Sinne, der oft bei der Betrachtung der Droge und ihrer Wirkungen zu kurz kommt. Dass Ich möchte dabei so vorgehen, dass ich Sie zunächst auf drei aktuelle Aufhänger gewissermaßen aufmerksam machen möchte, die der Tagespresse entnommen sind und die die Aktualität des Themas zu unterstreichen scheinen. Danach will ich ein paar kurze Worte zur Historie der Verwendung von Cannabinoiden in der Pharmazie sagen und auch etwas dazu, wie sich der Umgang mit dem Haschisch in den letzten 40 Jahren entwickelt hat. Im Hauptteil werde ich dann die in erster Linie diskutierten potenziellen pharmazeutischen Wirkungen von Cannabis anhand der neuesten erreichbaren Literatur erörtern und dabei wird sich zeigen, wie die Wirkungen im Einzelnen beschaffen sind und was wir darüber wissen. Ein Wort zu den Nebenwirkungen schließt ______________ Vortrag Graz, 21.01.2011 sich an, und am Schluss werde ich das Ganze noch einmal kurz In den letzten Monaten sind in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung drei Aufsätze erschienen, die sich damit befassen Die Bedeutung, die diesem Thema zugemessen werde, könne man nicht mit der Sache selbst erklären, teilte die FAZ mit, sondern nur mit den kulturellen Assoziationen, die damit verknüpft seien. Die Sozialgerichte müssten sich immer häufiger mit der Frage der Kostenübernahme bei Schmerzpatienten für eine Behandlung mit Cannabisinhaltsstoffen befassen, allerdings Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung. Es gibt offenbar Bestrebungen, vor allem bei spastischen Beschwerden im Rahmen einer MS gesetzliche Zugangsregeln zu schaffen. Der zweite Artikel befasste sich mit der Initiative von Georg Soros, eine Kampagne mit dem Ziel der Legalisierung des Anbaus und Konsums von Cannabis in Kalifornien zu finanzieren. Mit den Kongresswahlen hatten die Bürger dieses Bundesstaates über eine Initiative abzustimmen, um Cannabis als reines Genussmittel freizugeben, als Therapeutikum ist es in gewissem Umfang dort schon erhältlich, ebenso wie in weiteren 15 Bundes - staaten der USA. Die Abgabe von Marihuana an jeden über 21 Jahren würde nach Ansicht der Befürworter vor allem erhebliche zusätzliche Steuereinnahmen in die öffentlichen Kassen spülen, ______________ Vortrag Graz, 21.01.2011 denn die Droge soll kräftig besteuert werden. Die Kalifornier haben diese Initiative allerdings mittlerweile abgelehnt. Der dritte Artikel zeigt die Verhältnisse im Bundesstaat Colorado auf, wo man Marihuana in Mengen bis zu 56 g pro Tag mit einer sog. „Medical Marihuana Card“ in speziellen Apotheken kaufen kann, die Karte ist leicht zu erhalten. Die Unze Marihuana kostet im Übrigen $ 450,00, also $ 15,00 pro Gramm. Zu beachten ist aber weiterhin die Diskrepanz zwischen der Landes- und der Bundesgesetzgebung. Nach letzterer ist jeder Umgang mit Marihuana in den USA weiterhin verboten. Nun zurück zu den möglichen therapeutischen Wirkungen – dem Ein Blick in die Historie zeigt, dass solche Wirkungen schon lange bekannt sind. Mit einem solchen Blick beginnen alle Cannabiswirkungen befassen. Es ist eben nicht so, dass man bis ins 19. Jahrhundert hinein nur gewusst hat, dass die Faserelemente der Pflanze sich zu festen Hanfseilen verarbeiten lassen, die man in der Seefahrt braucht, auf dem Bau, aber an denen man auch die Verbrecher aufknüpfen kann. Man wusste schon lange vor Christi Geburt in China beispielsweise, dass es Hanfpflanze gibt. Naturgemäß hat man das dem Stand der ______________ Vortrag Graz, 21.01.2011 untersucht, aber den Weg über die Kräuterbücher in die deutschen Pharmakopöen und in die amerikanische von 1941 haben Cannabiszubereitungen doch gefunden. In den letzten 30 Jahren ist nun eine Diskussion entstanden, die sicher von dem Ziel einer Verharmlosung des Cannabiskonsums gelebt hat. Der Cannabiskonsum ist ja in den USA und im Gefolge der sog. Drogenwelle etwa ab 1968 beginnend auch in Westeuropa und Deutschland geradezu verteufelt worden. Mit einer Verteufelungsstrategie erreicht man aber bekanntermaßen nur das Gegenteil. Ein flexibles Vorgehen gegen einen Gegner ist meistens viel wirksamer. Denken Sie an Österreich und das Neutralitätsgebot, da hat sich ein weiches und flexibles Vorgehen doch als wesentlich effizienter herausgestellt, als wenn man Während die Droge im Deutschen Arzneibuch 6 von 1926 bereits nicht mehr enthalten ist, führt das Taschenbuch der Drogenkunde von Hoppe in seiner 8. Auflage von 1981 Cannabis auf und erwähnt auch pharmakologisch verwertbare Wirkungen. In der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts hatte das Interesse an der pharmakologischen Wirkung des Cannabis abgenommen. ______________ Vortrag Graz, 21.01.2011 Erst mit der Renaissance des Stoffs als rauscherzeugendes Mittel geriet es in den 70er Jahren wieder in das Blickfeld einer interessierten Öffentlichkeit. Cannabis wurde zur „Leitsubstanz“ einer ganzen Generation und eines der Schlagworte war damals „Haschu Haschisch in der Tasche, haschu immer was zu Cannabis galt in Konsumentenkreisen als ungefährlich und sein Verbot durch Einordnung unter das Betäubungsmittelgesetz als ideologisch motivierte Unterdrückungsaktion der konservativen Regierenden gegenüber der revoltierenden Jugend. So wurde Cannabis z. T. einer Protestbewegung junger Menschen, und das konnte naturgemäß nur funktionieren, wenn es gelang, die Hier an dieser Stelle schlug nun die Geburtsstunde des Gedankens von der Verwendbarkeit der Droge bzw. ihrer Inhaltsstoffe als Medikament gegen eine ganze Palette von Rauschmittel zum Heilmittel umdeklariert werden. Deshalb begann nun ein aufwändiger Feldzug für den Anbau von Hanf in Mitteleuropa mit Hanfläden, Biobauern, Hanfverarbeitung zu Dazu wurde sogar das Betäubungsmittelgesetz geändert. Hanfanbau wurde ermöglicht, um dem Biogedanken nicht im Wege zu stehen. Und in diese Bewegung hinein wurde nun auch ______________ Vortrag Graz, 21.01.2011 die Anwendung als Medikament gefordert, wobei man sich einer 1. Nachweis der Ungefährlichkeit der Rauschdroge Cannabis 2. Nachweis der segensreichen Wirkung als Medikament beim Einsatz gegen eine Reihe von Krankheiten Der Nachweis der Ungefährlichkeit gelang nicht so recht. Im sog. Cannabis-Beschluss des Bundesverfassungsgerichts von 1994 stellte das oberste deutsche Gericht in Karlsruhe fest, dass vom Volksgesundheit ausgehe, deshalb müsse die Droge weiter dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt bleiben. Gefährlichkeit von Cannabiswirkungen Die zweite Strategielinie wurde aber beharrlich weiter verfolgt. Über ihre Ergebnisse soll nachstehend berichtet werden. Zunächst einmal: Um welche Wirkungen geht es überhaupt, bei welchen Krankheiten sollen Cannabinoide überhaupt angewandt Propagierte Anwendungsgebiete heute ______________ Vortrag Graz, 21.01.2011 Traditionellerweise geht es um das Glaukom, aber auch um das Asthma, die hustenstillende Wirkung, dann um die Cytostase und die Antibiose, sodann um die Schlafstörungen, die sedierende Wirkung bei Unruhezuständen und Erregung. Dann geht es aber auch um Schmerzzustände, vor allem den sog. neuropathischen Schmerz im Zusammenhang mit der Spastik und der Neuritis bei MS. Ferner sollen Cannabinoide bei den Nebenwirkungen der Chemotherapie vor allem von Krebserkrankungen eingesetzt werden, also gegen Übelkeit, Schwindel und Brechreiz, und Weitere Möglichkeiten wurden gesehen bei einer Vielzahl von Verstopfung, Impotenz, Anhedonie, Schwindel, Cholera, Diabetes Versucht man nun, diese zunächst genannte Indikationspalette zu überprüfen, so stößt man vor allem auf Einzelfallkasuistiken Kontrollgruppe. Diese Art von Erkundungsstudien hat natürlich wenig Aussagekraft. Gleichwohl wird ein derartiger mehr vorwissenschaftlicher Stil auf dem angesprochenen Gebiet geradezu gepflegt. Es gibt aber auch auf einzelnen Gebieten mittlerweile ernsthafte empirisch wissenschaftliche Studien, die eine gewisse Beurteilung der Situation zulassen. ______________ Vortrag Graz, 21.01.2011 Cannabisinhaltsstoffen war bis zur Jahrtausendwende im Wesentlichen von der Einschätzung geprägt, die das Institute of Medicine (1999) und im Gefolge in Deutschland Rommelspacher (2000, 2002) vorgenommen hatten. Dabei wurden von beiden Instanzen jeweils nicht alle möglichen bzw. erhofften Wirkungen Beginnen wir mit dem Institute of Medicine Die Beurteilung durch Rommelspacher (2000, 2002), der sich intensiv mit dem Problem befasst hat, ist ebenfalls ernüchternd: Ich selbst habe eine Zusammenfassung auf dem Stand von 2005 verfasst, und auch hierbei bin ich nicht auf überzeugende Cannabisinhaltsstoffen bei einer der ursprünglich propagierten Dabei sollte man es aber nicht belassen, denn wir schreiben mittlerweile 2011, und es war geboten, den Stand der Dinge zu ______________ Vortrag Graz, 21.01.2011 aktualisieren. Darum habe ich mich bemüht, und es ist mir sicher nicht gelungen, einen vollständigen Überblick über die aktuelle Datenlage zu gewinnen. Das, was ich aktuell herausgefunden Um welche Mittel geht es dabei? Was ist legalerweise auf dem Um welche Wirkungen bei welchen Krankheiten geht es? Beginnen wir mit der Anwendung beim Glaukom. Hier sind immer wieder zeitlich begrenzte Wirkungen in Richtung Absenkung des Augeninnendrucks beobachtet worden. Allerdings bildet sich gegen diese Wirkung relativ schnell Toleranz heraus. Es müssen auch ziemlich hohe Dosen der Substanz eingesetzt werden. Im Jahre 1999 kam das Institute of Medicine – wie erwähnt – zu dem Schluss, es liege keine verlässliche Indikation vor. Die Anwendung sei nicht evidenzbasiert. Die Datenlage ist schmal, die Ergebnisse sind uneinheitlich, die Nebenwirkungen sind gravierend, die Toleranzbildung spricht eher gegen eine Anwendung in diesem Bereich, zumal es eine ganze Reihe eingeführter Stoffe zur Behandlung des Glaukoms bereits gibt, ______________ Vortrag Graz, 21.01.2011 die zuverlässig wirken und die beschriebenen Nachteile nicht In der großen Übersichtsarbeit von Galal, Slade und Mitarbeitern (2009) wird dieser Status bestätigt. Man prüft derzeit in Tierversuchen die Anwendung von Cannabisinhaltsstoffen zur kurzdauernde Wirkungen, man könne die Substanz einsetzen, aber möglichst in Kombination mit bereits bewährten Mitteln. Was die Anwendung beim Asthma betrifft, so wird in den neuesten Studien (Galal und Slade, 2009, Greineisen, 2010) zwar von vielfältigen Wirkungen insoweit gesprochen, aber zugleich betont, dass eine sichere Beurteilung nicht möglich sei, weil man erst noch weitere Grundlagenerkenntnisse abwarten müsse. Bei beginnenden Atemwegsinfekten sei – vor allem im Einzelbeobachtungen sprächen zudem dafür, dass auch bei chronischem Asthma mit einer immunologisch verankerten Entstehungskomponente therapeutische Wirkungen zu erwarten seien, aber eine sichere Beurteilung sei eben noch nicht möglich. Auch hier ist also die Hoffnung groß, dass eines Tages eine nachweisbar sein wird. Es heißt also abwarten. Des Weiteren wird der Einsatz von Cannabisinhaltsstoffen als Cytostatica diskutiert. Seit 1976 wurde immer wieder von dieser ______________ Vortrag Graz, 21.01.2011 Option gesprochen (Harris, 1976), ohne dass es greifbare empirische Belege gab, dies gilt auch für den Einsatz bei bestimmten Leukämieformen (Petersen, 1979). Schon bei Grotenhermen (2001) indessen taucht diese mögliche Indikation nicht mehr auf, und man wird auf diesem Gebiet wohl die Dies gilt in ähnlicher Weise auch für die in den 70er Jahren erhoffte antibiotische Wirkung der Substanz. Auch hier ist es still geworden, und in der neuesten Literatur taucht diese Option nicht mehr auf. Die Ergebnisse von Cohen (1979) wurden nicht weiter verfolgt, so dass wir auch diese Indikation ad acta legen müssen. Wir kommen zur schlafanstoßenden Wirkung von Inhaltsstoffen der Cannabispflanze. Hier könnte ja bei der bekannten sedierenden Wirkung ein gewisses Potenzial schlummern. Tut es aber nicht, weil die Nebenwirkungen der Substanz, auf die ich noch zu sprechen kommen werde, dem weitgehend ent- gegenstehen und weil die Fülle bereits auf dem Markt befindlicher Hypnotika so erdrückend überlegen ist, dass sie Cannabisinhaltsstoffen keinen Raum lässt. Deshalb gibt es aus den letzten Jahren keine Untersuchungsergebnisse zu diesem Thema, so dass wir auch diese Indikation ad acta legen müssen. Nun zur sedierenden Wirkung. Auch hier sind die bisherigen Erfahrungen bei der medizinischen Anwendung nicht ermutigend. ______________ Vortrag Graz, 21.01.2011 Es bildet sich schnell Toleranz aus, die Dosis muss gesteigert teilweise widersprüchlich, die Vielzahl eingeführter Sedativa bildet eine deutliche Barriere, eine überlegene Wirkung des Cannabis ist nicht erkennbar, so ist auch dieses Indikationsgebiet inzwischen seitens der klinisch-pharmakologischen Forschung Wie sieht es nun mit der Analgesie aus? Hier war bis in die Zeit vor 10 Jahren eine ausgeprägte Skepsis verbreitet. Man ging davon aus, dass Cannabisinhaltsstoffe nicht stärker analgetisch wirken als Phenothiazinderivate, ASS oder Codein, deren schmerzstillende Wirkung bekanntermaßen relativ gering ist. Noch Grotenhermen (2001) sagt in seinem Buch, es gebe kaum Arbeiten, die verwertbare Erkenntnisse auf diesem Gebiet Inzwischen gibt es aus den letzten Jahren Studien, die sich mit der Behandlung neuropathischer Schmerzen vor allem bei der MS befassen. Pöllmann und Feneberg (2008) referieren die wesentliche Literatur zu diesem Thema in einer großen Übersichtsarbeit. Die Schwerpunkte der Behandlung liegen bei den klassischen Schmerzmitteln wie Gabapentin, Lamotrigin, Topiramat und Morphin. Es wurden aber auch einige Arbeiten zitiert, die die Wirkung oral verabreichter Cannabisextrakte verhältnismäßig schwach, die Evidenz der Ergebnisse gering. In ______________ Vortrag Graz, 21.01.2011 einer großen Studie an 667 Patienten kam es in 57 % der Fälle zu einer Schmerzreduktion, insgesamt wurde bislang kein Vorteil gegenüber herkömmlichen Substanzen gesehen, hier liegt Fontelles und Garcia (2008) sprechen in diesem Zusammenhang ebenfalls mehr von der Zukunft als von der Gegenwart. Es gibt Hoffnung, dass Cannabisinhaltsstoffe hilfreiche Wirkungen entfalten könnten, sie tun es bisher aber nur in Ansätzen. Es bedarf offenbar weiterer empirischer Studien zu dieser Fragestellung. Ähnlich äußern sich auch Hosking und Zajicek (2008) und Rahn und Hohmann (2009). Aus der Übersichtsarbeit von Karst und Bernateck (2008) geht hervor, dass bei Schmerzpatienten mit Spastik bei MS vor allem eine subjektive Wirkungskomponente Beachtung finden sollte, 15 mg THC bzw. Nabilon entsprechen der Wirkung von ca. 90 mg Codein, es gab schmerz- und spastikreduzierende Effekte, allerdings auch Nebenwirkungen in Form von Schwindel, Benommenheit und Mundtrockenheit. Der Einsatz von Sativex als Mund-Nasen-Spray wurde von der kanadischen Gesundheitsbehörde für die Linderung chronischer Spastik und neuropathischer Schmer zen Bei der zweiten Forschungswerkstatt MS, die vom 19. bis 20.02.2010 in Leverkusen abgehalten wurde, findet sich im Abstract-Band vom Oktober 2010 des Nervenarztes (NA 81 (2010) Suppl. 1, 1-49) kein Hinweis auf die Wirkung und den ______________ Vortrag Graz, 21.01.2011 Einsatz von Cannabisinhaltsstoffen, wobei die dort gehalte nen Vorträge gerade innovative Ansätze in besonderer Weise Cannabispflanze von Hanus (2008) lässt deutlich werden, dass wir auch in den letzten Jahren noch immer von Erwartungen und Hoffnungen leben, was die Anwendbarkeit von Cannabinoiden als Heilmittel betrifft. Die Fülle der zitierten Arbeiten ist erdrückend, aber ihr Inhalt zeigt, dass wir noch lange nicht dort angekommen sind, wo wir eigentlich hinwollen: nämlich zur Praxis und zur therapeutischen Anwendung. Herausforderungen ist die Rede, vom „therapeutischen Potenzial“ Möglichkeiten, aber nur sehr selten von konkreten Ergebnissen. Allerdings weist Hanus (2008) zugleich darauf hin, dass die Anwendung von THC (etwa in Gestalt von Nabilon) schon mit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bekannt sei und dass eine beachtliche antiemetische Wirkung bei der Behandlung der Nebenwirkungen der Chemotherapie von Krebs- und ______________ Vortrag Graz, 21.01.2011 Dabei macht man sich die allgemein euphorisierende Wirkung des Cannabis zunutze, die ja auch eine vorübergehende antidepressive, sanft analgetische und leicht appetitsteigernde Komponente enthält. Es erwies sich in der Tat, dass bei kritischer Betrachtung und bei Zugrundelegung der empirischen Da tenlage chemotherapeutischer Krebsbehandlung die praktisch einzige Anwendung von Cannabinoiden ist, die ernsthaft für weitere Untersuchungen überhaupt in Betracht kommt. Allerdings muss hier die fatale Tendenz zur Toleranzbildung noch ausgeschaltet werden. Die Wirkung der entsprechenden Medikamente lässt nämlich sukzessive nach und muss durch Dosissteigerung Schläfrigkeit und Schwindel sollten noch stärker zurückgedrängt werden. Die Datenlage ist nach wie vor widersprüchlich, dies geht vor allem aus den Arbeiten von Kienzle und Pfeilsticker (2002) und von Stevens (2002) hervor. Es gibt also auch hier weiteren Forschungsbedarf, aber durchaus Grund zu einer In einer großen Meta-Analyse kommen indessen Machado Rocha und Mitarbeiter (2008) zu dem Ergebnis, bei der Behandlung von Nebenwirkungen der Chemotherapie des Krebses gebe es durchaus eine Verbesserung des Befindens, aber der Umfang der entstehenden Nebenwirkungen des Dronabinols, das hier eingesetzt wurde, sei ebenfalls zu beachten. Es gebe auch keine sichere Dosis-Wirkungsrelation. Bei manchen Patienten erwies ______________ Vortrag Graz, 21.01.2011 sich Dronabinol als toxisch. Wahn, Halluzinationen und Depressionen traten in 5 bzw. 6 bzw. 13 % der Fälle auf. Die trizyklischen Neuroleptika und Haldol. Eine überlegene Wirkung gegenüber herkömmlichen Psychopharmaka war indessen nicht Patienten, vornehmlich aus der Gruppe der HIV-Infizierten bzw. AIDS-Kranken muss sorgfältig abgewogen werden. Es steht nämlich zu befürchten, dass die ohnehin schon derangierte gewissen Appetitsteigerung noch weiter negativ beeinflusst werden könnte (Greineisen und Turner, 2010). Die Erfahrungen mit Dronabinol haben zu „wenig überzeugenden unterschiedlichen Dosierungsschemata profitieren nur einzelne Patienten von der Gabe der Substanz und reagieren mit einer Gewichtszunahme. Unter höheren Dosen treten unangenehme Stimmungsverbesserung. Dieser Effekt ist bei chronischen Krankheiten durchaus zu beachten. Man darf freilich nicht vergessen, dass es auch herkömmliche Medikationen auf diesem Gebiet gibt, die eine überzeugende Wirkung entfalten. ______________ Vortrag Graz, 21.01.2011 die Durchsicht der wissenschaftlichen Literatur zum Thema zeigt, dass wir bei heutigem Stand der Dinge nicht berechtigt sind, Cannabinoide zum festen Bestand unseres Arzneimittelschatzes zu rechnen, mit dem wir täglich umgehen. Schon die zahlreichen immer wieder erwähnten positiven Wirkungen sind nicht wirklich exakt nachweisbar, obwohl die Pflanze seit uralten Mensch - heitszeiten pharmazeutische Verwendung findet. Aber der Blick Zusammenstellung von Rommelspacher (2000) gibt hier schon Nebenwirkungen von THC als Arzneimittel (20 mg) Aber auch neueste Arbeiten wie die von Galal (2009) und Greineisen (2010) schlagen in die gleiche Kerbe Nebenwirkungen von Cannabis-Medikation Hier sind vor allem Abhängigkeit und Entzugserscheinungen von ______________ Vortrag Graz, 21.01.2011 Der Überblick von Bonnet und Mitarbeitern (2010) in den Fortschritten Neurol. Psychiat. bestätigt diese Feststellungen. Bei chronischem Konsum von Cannabinoiden wird es dann vollends desolat, denn hier kommt die Cannabis-induzierten Psychose ins Spiel, über die es mittlerweile eine ganze Reihe von Arbeiten gibt, ich selbst habe mich lange Jahre mit diesem Thema beschäftigt (Rausch und Psychose, Kohlhammer, Folgeschäden bei chronischem Konsum Es tun sich aber auch Hindernisse auf, was die Verwendbarkeit von Cannabinoiden ganz allgemein als pharmazeutische Mittel Mangelnde Eignung als Arzneimittel Hier ließe sich zwar gewiss Einiges durch moderierende Eingriffe in die Galenik, in die Darreichungsform oder vielleicht sogar am Molekül verbessern, aber eine einfach zu handhabende Substanz ist es eben nicht, und so stehen neben der schwachen Wirkung ______________ Vortrag Graz, 21.01.2011 pharmakologischen Grundeigenschaften der Substanz als dritter Gegner einer breiten Anwendbarkeit derzeit im Wege. Die Cannabispflanze und ihre Inhaltsstoffe gehören zum uralten Arzneischatz der Menschheit. Die Wirkungen sind vielfältig, liegen auf verschiedenen Gebieten der Medizin, aber sie sind bei den heute geltenden Ansprüchen an Arzneimittel schwer verwertbar. Die Nebenwirkungen sind bedeutsam und lassen eine breite Anwendung zum heutigen Zeitpunkt nicht zu. Es bestehen gleichwohl Hoffnungen und Erwartungen, Cannabinoide vielleicht eines Tages als Arzneimittel einzusetzen, denn es gibt ______________ Vortrag Graz, 21.01.2011 LITERATUR
Cannabisbezogene Störungen
Fortschr Neurol Psychiat 2010; 78: 360-370 Role of Cannabinoids in the Management of Neuropathic
Galal, Ahmed M; Slade, Desmond und Mitarbeiter Naturally Occurring and Related Synthetic Cannabinoids
and their Potential Therapeutic Applications
Recent Patents on CNS Drug Discovery, 2009, 4, 112-136 Immunoactive effects of cannabinoids: Considerations
for the therapeutic use of cannabinoid receptor agonists
and antagonists
International Immunopharmacology 10 (2010), 547-555 Cannabis und Cannabinoide – Pharmakologie, Toxiologie
und therapeutisches Potential
Huber, Bern, Göttingen, Toronto, Seattle (2001) ______________ Vortrag Graz, 21.01.2011 Pharmacological and Therapeutic Secrets of Plant and
Brain (Endo)Cannabinoids
Medicinal Research Reviews, Vol. 29, No. 2, 2009, 213 -271 Therapeutic potential of cannabis in pain medicine
British Journal of Anaesthesia 101 (1), 59-68 (2008) Schmerzlinderung durch Cannabinoide?
Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2008, 7-8, Cannabinoide: Auf der Suche nach der Indikation
Fortschr. Neurol. Psychiat. (2002), 70, 1-3 Therapeutic use of Cannabis sativa on chemotherapie-
induced nausea and vomiting among cancer patients:
systematic review and meta-analysis
European Journal of Cancer Care, 2008, 17, 431-443 ______________ Vortrag Graz, 21.01.2011 Current Management of Pain
Associated with Multiple Sclerosis
Cannabinoids as Pharmacotherapies for Neuropathic
Pain: From the Bench to the Bedside
Neurotherapeutics, Vol. 6, No. 4, 2009, 713-737 Cannabis: Als Arzneimittel nur von geringem Nutzen
Cannabis und Cannabinoide als Medizin
Cannabis – Biologie, Konsum und Wirkung
4. Auflage, Deutscher Ärzteverlag, Köln 2005 Rausch und Psychose – Psychopathologische
Untersuchungen an Drogenkonsumenten
______________ Vortrag Graz, 21.01.2011

Source: http://www.lsf-graz.at/cms/dokumente/10227278_2172212/25d650fc/Taeschner_Cannabis%20als%20Heilmittel_20.12.10.pdf

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