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Medikamente der Schulmedizin in der anthroposophischen Medizin.
Die Antibiotika und ihre Nebenwirkunge.
Antibiotika gehören heutzutage zur Alltagsnahrung der Amerikaner. Auch viele Europäer gehen zu dieser Ernährungsweise über. Die äußerst anpassungsfähige Welt der Bakterien, die als eine der unteren Stufen des Lebens die Erde besiedelt, steltt sich zunehmend darauf ein, indem sie resistent gegen ihre Feinde wird. Was bedeutet das? Es wäre zu fragen, ob die neuen resistenten Formen der Bakterien nicht auch in mancher anderen Weise verhärteter sind als die Ursprünglichen, so daß sich hier ein neues Lebensreich mit stark eingeschränkter Umweltsensibilität und –anpassungsfähigkeit bildet als Ausdruck einer Erstarrung der Lebensverhältnisse der Erde? Niemand weiß das genau, weil es wohl auch noch niemand erforscht hat. Aber man sollte doch bedenken, in wie starkem Maße die Bakterien dieser Erde lebenswichtige Symbiosen mit den höheren Organismen, den Menschen, den Tieren und den Pflanzen und den Böden aller unserer Wälder, diesen herrlichen Zeugen des ganzen Lebens unserer Erde, bilden. Dann wird denkbar, daß durch das Resistentwerden der Bakterien das große, so bestaunenswerte Lebensganze unserer Erde einer zunehmenden Erstarrung mit verminderter Anpassungsfähigkeit ausgesetzt sein könnte, die eine wachsende Undurchdringlichkeit zur Folge hätte. Man mag diese Jedenfalls ist klar: die Folgen des Großeinsatzes der Antibiotika durch die Ärzteschaft dieser Erde sind mittlerweilen omnipräsent! Das zwingt zur Besinnung.
Dieser Aufsatz schließt sich eng an den Aufsatz der gleichen Autoren über das Cortison im Lichte der anthroposophischen Medizin an. Dort wurde deutlich gemacht, daß es unbedingt notwendig ist, die folgenden beiden Fragen zu stellen: 1) Wie sind diejenigen Medikamente der Schulmedizin zu verstehen, die auch in vielen Praxen anthroposophsicher Ärzte zur gängigen Therapie gehören, weil ihre Wirkungen zuverlässig eintreten und weil es keine Alternative mit „gleich zuverlässiger Wirkung“ als anthroposophische Heilmittel zu geben scheint? Was sind „Nebenwirkungen“ im Sinne der medizinischen Menschenkunde? 2) Neue Heilmittel müssen gefunden werden, die sich als Alternativen im Sinne von 1) zuverlässig bewähren, falls ein menschenkundlicher offener Blick auf die „Nebenwirkungen“ Anlaß zu Bedenken geben sollte.
Zwei Klassen von Medikamenten gehören sicher zu denjenigen, bei denen die Frage 1) zu stellen ist: das Cortison, das in einem vorigen Aufsatz bereits behandelt wurde, und die Antibiotika. Den Letzteren ist dieser Aufsatz gewidmet.
Auf jedem Beipackzettel einer Schachtel mit Antibiotika steht eine beeindruckende Liste möglicher Nebenwirkungen. Zum Glück wird sie von den meisten Patienten nicht gelesen! Wir wollen hier aber weniger auf diese „Nebenwirkungen“ blicken, sondern eher auf gewisse naturwissenschaftlich feststellbare Wirkungen der Anitbiotika, die in der Literatur beschrieben sind, um danach zu versuchen, sie menschenkundlich einzuordnen.
Naturwissenschaftliche Betrachtung einiger Nebenwirkungen
Die Antibiotika haben auf der einen Seite sehr spezifische Wirkungen auf Zellen unseres Leibes. Zum anderen bedeutet jede Antibiotikumeinnahme einen tiefen Eingriff in den Zustand unseres Immunsystems. Die allergischen Reaktionen, die ausgelöst werden können (1, 2), sowie die Veränderungen der mikrobiologischen Flora der Körperoberfläche mit den dadurch möglichen Superinfektionen und Pilsinfektionen sind bekannt und treten gar nicht selten auf (3, 4). Außerdem entgleist jedes Mal die Darmflora des Menschen ein Stückchen weit, so daß es zu Störungen der epithelialen Funktion und der Resorption im Darmtrakt Ototoxizität
Auf die direkte Wirkung an Körperzellen geht sicher die bekannte Ototoxizität zurück. Viele Klassen von Antibiotika (z.B. Polymyxin B, Chloramphenicol, Erythromycin, Tetracycline, Neomycin und Streptomycin) wirken beim Menschen und in Tierversuchen ototoxisch und zwar sowohl bei lokaler Applizierung am Mittelohr als auch bei systemischer Therapie (6-8).
Sie können eine irreversible Taubheit für hohe Frequenzen sowie einen Tinitus und Gleichgewichtsstörungen zur Folge haben. Die Aminoglycoside, die zu den am häufigsten benutzten Antibiotika gehören, sind hier besonders zu nennen. Bei ihnen steigt die Wahrscheinlichkeit dieser Nebenwirkung mit der Serumkonzentration systematisch an (9).
Der genaue molekulare Mechanismus, der dies zur Folge hat, ist nicht bekannt. Aber die folgenden zellulären Veränderungen stehen damit in Verbindung: a) Morphologische Veränderungen an den Zellen finden nach Applikation der Aminoglycoside früh statt (10), und zwar die Anzahl und Größe der Lysosomen und cytosolischen Vesikel nehmen zu das endoplasmatische Reticulum proliferiert das Chromatin im Kern verklumpt (ein Zeichen für Inaktivität) => Das Geschehen wird insgesamt als beginnende Apoptose gedeutet (11).
b) Aminoglycoside werden per Endozytose aufgenommen und in Lysosomen der Zelle gespeichert (10, 12) (Lysosomen sind Zellorganellen, die der Speicherung und dem Verdau von Substanzen dienen, die die Homöostase der Zelle gefährden können Anreicherung - später auch außerhalb der Lysosomen im Cytosol - führt letzlich zum Zelltod (13, 14); die intrazellulären Strukturen, die von Aminoglycosiden geschädigt werden, sind nicht vollständig bekannt. Man weiß aber folgendes: Aminglycoside behindern den Membranmetabolismus der Hörzellen (9, 10, 15).
Aminoglycoside behindern den Carbohydrat-Metabolismus und den
Energieumsatz der Hörzellen in folgender Weise:

die Aktivität der Enzyme der Atmungskette ist reduziert (12, 16) ein wichtiger Teilweg der Glycolyse ist inhibiert (Embden-Meyerhof-Zyklus) (17) der Glycogen-Speicher der Hörzellen wird aufgebraucht (18) Ein zweiter wichtiger zu erwähnender Kreis von Nebenwirkungen betrifft das ZNS.
Nebenwirkungen am ZNS
Fast alle Antibiotika haben einen mehr oder weniger ausgeprägten Einfluss auf das ZNS mit zum Teil erheblichen Beeinträchtigungen. Die wichtigsten sind: Bei den Penicillinen und verwandten Substanzen fanden sich im EEG häufig unnormale Verschnellerung des Rhythmus (19). Diese Veränderungen werden auf die Reduktion des inhibitorisch wirkenden Neurotransmitters GABA (gamma-Amino-Butyric-Acid) geführt. Die Reduktion der GABA-Inhibition erhöht die Sensitivität des Cortex gegenüber afferenten Reizen: es kommt häufiger zu epileptiformen Zacken im EEG (20-24). Seit langem ist das convulsive Potential der Penicilline bekannt (25).
Zusammenhang mit GABA gestellt (26, 27).
Einige Sulfonamidpräparate (Sulfanilamide and Sulfapyridine) sind assoziiert mit Anorexie, Müdigkeit, Ataxie (Störungen der Bewegungskoordination) und Depression (28-30), allerdings fand sich hierfür bisher keine vollständige Erklärung auf zellulärer Ebene.
Für Metronidazol konnte im Tierversuch eine Degeneration von Purkinje-Fasern (Neuronen im Kleinhirn) nachgewiesen werden. Die bekannte Symptomatik beim Menschen, die das Medikament über mehr als 6 Wochen bekamen, reichte von Gleichgewichtsproblemen bis Sprechstörungen und Sensibilitätstörungen beobachtet. Interessanterweise waren alle Auffälligkeiten 1-4 Wochen nach Beendigung der Therapie vollständig rückläufig. Ein Pathomechanismus ist bisher nicht geklärt (33-36).
Ähnlich dem Penicillin ist auch für Isoniazid ein stimulierender Effekt auf das ZNS bekannt.
Biochemisch ist bekannt, dass Isoniazid GABA auf zwei unterschiedliche Weisen reduziert: Zum einen wird die GABA-Synthese gehemmt (ein Enzym wird durch Isoniazid gehemmt (37). Zum anderen antagonisiert Isoniazid das Coenzym der GABA-Synthese: Pyridoxin (Vitamin B6). Da die Vitamin B6-Derivate als Coenzyme in etwa 100 enzymatischen Reaktionen im ganzen Körper (v.a. im Aminosäurestoffwechsel) mitwirken, hat ein Isoniazid induzierter Vitamin B6 Mangel Auswirkungen auf den gesamten Organismus: Appetitverlust, Durchfall und Erbrechen, Dermatitis, Wachstumstörungen und Anämien (Störung der Hämoglobinsynthese) sind häufig zu beobachten.
Nebenwirkungen an den Hirnnerven:
Diese Wirkungen betreffen vor allem Einschränkungen, Entzündungen oder Störungen der Hör- und Gleichgewichtsnerven sowie des Sehnerven. Sie treten insgesamt häufig auf, sind aber meist vollständig rückläufig. Es gibt keinerlei Erklärungen für diese Beeinträchtigungen (bis auf die oben beschriebene Ototoxizität der Aminoglykoside). Beaobachtet wurden Chloramphenicol, Vancomycin, Ethionamide u.a (38-41).
Blockade der neuro-muskulären Übertragung:
Es konnte gezeigt werden, dass vor allem 4 Hauptverteter der Antibiotitka eine Blockade der neuromuskulären Übertragung hervorrufen können. Dazu gehören einige Aminoglycoside (42, 43), Polymyxine und Tetracycline sowie Lincomycin und Clindamycin (44-49) präsynaptischen Ausstoß von Acetylcholin (Ach), die Überträgersubstanz an der neuro- muskulären Synapse). Darüber hinaus erniedrigen sie die Sensitivität der muskulären Seite Die Polymyxine sind aufgrund ihrer Struktur und kationischen Eigenschaften die stärksten Blocker der neuro-muskulären Übertragung: Sie setzen v.a. die Sensitivität der muskulären Seite für ACh herunter. Der genaue Mechanismus ist nicht ganz klar, aber eine Interaktion mit den Phospholipiden der Zellmembran des Muskels ist anzunehmen. In vitro-Versuche am freien Nerven zeigten Wirkungen ähnlich den Lokalanästhetika. (52-56) Toxizität an peripheren Nerven:
Es gibt Manifestationen einer Neuritis auch am peripheren Nerven. Dabei können afferente und efferente Nerven betroffen sein, so dass es zu Muskelschwäche, Sensibilitätsstörungen, Ausfall von Muskel- bzw. Sehnenreflexen und allen möglichen Schmerzzuständen kommen Es existieren nur Erklärungsansätze für diese Nebenwirkungen, die von einer Beeinflussung der Nervenmebran (v.a. an der Nervenendigung) ausgehen.
Kardiotoxizität
Eine der häufigsten und am meisten gefürchteten Nebenwirkungen der Antibiotika am Herzen ist die Verlängerung der Erregungsausbreitung und Erregungsrückbildung. Das Phänomen kann im EKG als „Q-T“-Verlängerung beobachtet werden.
Die Gefahr besteht dann darin, dass die nächste Herzaktion in die Erregungsrückbildung der vorhergehenden Aktion fällt und durch diese (auch elektrische) Überlagerung ein kreislaufrelevantes Kammerflimmern entsteht.
Zu den Antibiotika, die eine „Q-T“- Verlängerung hervorrufen können, gehören die Makrolide, einige Quinolone, Azolderivate, Pentamidine und Quinine.
Der Mechanismus ist bei allen ähnlich: der nach der Depolarisation einsetzende in die Herzzelle gerichtete Rückstrom von Kalium (Repolarisation) wird geschwächt. Dafür sind Enzyminhibitionen verantwortlich, die z.T. bereits auf Zellkernebene das Ablesen von Genen verhindern, die den Kaliumrückstrom beschleunigen (59-61).
Nephrotoxizität
Das akute Nierenversagen ist ein häufiges Problem auf den Intensivstationen und mit einer Mortalität von 60% vergesellschaftet. Am häufigsten sind es Antibiotika, die zum Ähnlich wie bei den ototoxischen Nebenwirkungen spielen auch bei den Nierenschädigungen die Aminoglycoside eine große Rolle, allen voran Gentamycin (63, 64).
Auch von den Tubuluszellen (ähnlich den Hörzellen s.o.) werden die Aminoglycoside endozytotisch aufgenommen und in Lysosomen gespeichert. Ein Freisetzen ins Cytosol übt zunächst einen deutlich destabilisierenden Effekt auf die Mitochondrien aus und führt innerhalb von kurzer Zeit zur Apoptose der Zelle. Entscheidend scheint dabei auch das durch die Aminoglycoside verursachte Auftreten von freien Radikalen zu sein.
Andere Antibiotika – wie Amphotericin B – können die Funktion der Nierentubuli, der Nierendurchblutung oder der glomerulären Funktion stören. 60-80% der Patienten haben unter Amphotericin B ein gestörte Nierenfunktion. Aufgrund der hohen Reserven der Niere wird diese Störung meist nicht klinisch symptomatisch (65).
Hämatologische Nebenwirkungen: Anämie
Das Auftreten einer Anämie bei Antibiotikagabe ist hauptsächlich oxidativ verursacht. Wenn normale Zellen oxidierenden Substanzen ausgesetzt sind, steigt der Glucose-Verbrauch stark an, um auf diesem Weg NADPH (reduziertes Nicotinamid-Adenin-Dinucleotid- Phosphat) und GSH (reduziertes Glutathion) als Antioxidantien intrazellulär zur Verfügung zu Übersteigt die oxidative Wirkung in Erythrozyten die antioxidative Gegenreaktion entsteht ein unfunktionelles Hämoglobin. Der Erythrozyt verändert gleichzeitig seine Form (Sichelzelle) und wird in der Milz hämolysiert. Dies kann auftreten unter der Gabe von ß-Lactam- Antibiotika, Doxycyclin, Sulfonamide und Sulfone bei höhreren Dosierungen (66).
Bei nicht selten vorkommendem, angeborenem Enzymmangel an Glucose-6-phosphat- dehydrogenase (G-6-PD) ist die Herstellung von NADPH und GSH in Erythrozyten bereits genetisch deutlich reduziert. Dann wird die (geringere) oxidative Belastung auch durch andere Antibiotika deutlich: die hämolytische Anämie tritt nun auch bei der Therapie mit Nitrofuran, Chloramphenicol, Quninen und p-Aminosalizylsäure auf (66).
Linezolid, Amphotericin B, Chloramphenicol und Ganciclovir verursachen eine Anämie durch Suppression der Erythropoese. Der genaue Mechanismus der Wachstumshemmung ist nicht bekannt. Eine pharmakologische Wirkung im oben genannten Sinne ist wahrscheinlich (67- Hepatotoxizität
Alle in der Leber verstoffwechselten Antibiotika sind mehr oder weniger hepatotoxisch und Verlaufsparameter sind die im Serum des Patienten nachweisbaren (mehr oder weniger erhöhten) Leberenzyme (Transaminasen), die immer eine Leberzelluntergang anzeigen (71, Amoxicillin-Clavulansäure wird in der Leber verstoffwechselt. Intermediärprodikte dieses Stoffwechsels interagieren mit Leberproteinen bzw. -enzymen und verlangsamen so den Tetracycline in höheren Dosierungen können die ß-Oxydation der Fettsäuren in den Mitochondrien der Leberzellen inhibieren. Diese Situation führt insgesamt zur reversiblen Leberzellverfettung. Morphologisch ähnlich und funtkionell in gleicher Weise eingeschränkt, erscheint die Leber während einer Schwangerschaft. Eine Therapie mit Tetracyclinen in der Schwangerschaft ist daher zusätzlich leberzelltoxisch.
Antibiotika zur Behandlung von Tuberculose inhibieren die Aufnahme und die Excretion von Bilirubin. Die Plasmalevel von nicht verstoffwechseltem Bilirubin sind erhöht. Diese Nebenwirkung resultiert von einer Blockade der membranösen Transportwege der Leberzelle Erythromycin schädigt den Stoffwechsel der Hepatozyten bei geringen Konzentrationen: Es konnte eine eingeschränkte Funktion oder ein Verlust an aktiven Enzymen festgestellt Menschenkundliche Betrachtung der Nebenwirkungen
Im Rahmen schulmedizinischen Denkens ist man zufrieden, solange die vielen oben beschriebenen Symptome als Nebenwirkungen beherrschbar bleiben und sich nach Beendigung der Anthibiotikatherapie spontan zurückbilden. Der anthroposophische Arzt muß dagegen immer mit der Zeit als einer realen Dimension rechnen. So kräftige Eingriffe in die Leibesprozesse, wie sie oben beschrieben sind, hinterlassen ihre Eindrücke in der Ganzheit der Leibesprozesse und verschieben sie allmählich in eine neue Lage. Sie bewirken eben eine Verschiebung der Konstitution. Das aber muß neben den greifbaren unmittelbaren Nebenwirkungen sehr ernst genommen werden! Die große Frage ist doch, auf welche Weise der Leib tatsächlich ein Leben lang der ideale Diener der höheren Wesensglieder ist und Blicken wir mit diesen Augen auf die oben geschilderten Nebenwirkungen der Antibiotika, dann müssen wir fragen, ob nicht jede Antibiotikagabe den Leib des Patienten leise – unter Umständen ohne laut schreiende Symptome – ein Stückchen weiter wegrückt davon, sein sensibler Diener zu sein auf seinem Erdenweg.
Die Ototoxizität weist in diese Richtung. Sie betrifft das Sinnesorgan des In-der-Welt-Seins, der größten Innigkeit. Sozusagen stellvertretend für die ganze Sinnessphäre wird dieses Organ mit jeder Gabe von Aminoglykosiden und anderen tief bedroht, es droht sich zu verschließen vor der Welt. Sollte die ganze Sphäre der Sinne jedes Mal diesen Weg ein Stücklein mitgehen., wenn ein Patient ein Antibiotikum bekommt? Der nächste Kreis von Nebenwirkungen sind die Wirkungen auf das ZNS. Sie alle gehen dahin, daß das ZNS seine wunderbare Fähigkeit, ohne Produktion von Eigeneffekten mitzuschwingen mit der Welt oder den Gedanken und dem Willen verliert. Seine Reaktionen werden selbstproduktiv oder stumpf. Und wieder ist zu fragen, ob die Antibiotikagabe insgesamt den Menschenleib allmählich in diese Richtung verschiebt, so daß die großen Zeitkrankheiten des Eigensinns gegenüber der Welt und der Stumpfheit gegenüber allen fein differenzierten Gedanken noch gefördert werden. Die Nebenwirkungen an den Hirnnerven und den peripheren Nerven brauchen jetzt gar nicht gesondert betrachtet zu werden, so nahtlos fügen sie sich ein in das entstandene Bild.
Gesunde Leiber, die eben nicht mehr „Instrumente der Seele sind“, das ist es, was die Antibiotika fördern. Leiber, für deren Gesundheit sich die Ätherkräfte so sehr engagieren müssen, daß nicht mehr viel freie Ätherkräfte übrig bleiben, die den Leib als Glanz und Sphäre der Offenheit für die Welt umgeben könnten, verfestigte Leiber in diesem Sinn.
Leiber, die sich der Durchdringlichkeit für das Astrailische versperren und stattdessen ihr Eigenleben führen, allmählich züchten wir sie geradezu heran – auch mit den Antibiotika.
Die oben geschilderten Nebenwirkungen am Herzen gehen zunächst in ähnliche Richtung wie bei den Nerven. Als Konsequenz schließt sich die Herztätigkeit zunehmend in sich selbst ein und verselbständigt sich gegenüber dem Ganzen. Die geschilderte Ursache in der Form der Behinderung der Zelle bei der Repolarisierung zeigt aber, wie sehr die Antibiotika leise die ganze Lebensgrundlage des Leibes untergraben, denn die Repolarisierung ist der Garant der adäquaten Reaktionsfähigkeit der Einzelzelle gegenüber dem Ganzen des Leibes.
Dadurch werden auch die anhaltenden Schlaffheitszustände verständlich, in die Menschen nach intensiver Gabe von Antibiotika verfallen können. Die Niere reagiert noch empfindlicher auf die Versperrung des Leibes gegenüber der Astralität.
Auch die Leber wird durch die Antibiotika wie durch so viele andere neuartige Stoffe, denen wir unseren Leib aussetzen, vergiftet und in ihren Lebensfunktionen geschwächt. Hier mag der Gedanke nahe liegen, das sei doch wirklich zu vernachlässigen angesichts von vielen anderen stärkeren Lebergiften. Aber das Wichtige ist auch nicht die Quantität, sondern die Qualität und die Richtung. Wie viele Wirkungen des zivilisierten Menschen auf seinen Leib wirken gegen die Leber und ihre Funktion im Dienste des Lebens im ganzen Leibe? Sollte man da nicht besser sagen: das genügt jetzt! Anthroposophische Medizin muß auf der Seite der Lebensförderung, nämlich der Förderung der Wirkung der ätherischen Kräfte am physischen Leibe stehen. Antibiotika aber schädigen auf vielerlei Weise, wie wir gesehen haben, die lebendige Wechselwirkung zwischen dem Einzelnen und dem Ganzen, die doch der eigentliche Ausdruck des Ätherleibes ist.
Es ist also aus der Sicht der anthroposophischen Medizin klar davon abzuraten, den Einsatz von Antibiotika in Therapien zur Gewohnheit werden zu lassen, ja, es muß angestrebt werden, die Antibiotika immer zu vermeiden und durch wahrhaft anthroposophische Heilmittel zu ersetzen, wo auch immer diese zur Verfügung stehen. Gleichzeitig sei aber auch an das erinnert, was zu Beginn des Aufsatzes über das Kortison bereits deutlich gesagt worden ist. Das Wohl des konkreten individuellen Patienten hat in jedem Fall Vorrang. Wo es anthroposophische Arzt dies ohne Bedenken tun.
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